|
Liebe/r Website-Besucher/in, ...nachdem du vielleicht schon ein bisschen in unserem kleinen Universum herumgestöbert hast, fragst du dich vermutlich, wo du hier gelandet bist. Dass sich hier drei Menschen präsentieren, die alle einmal in der Psychiatrie behandelt wurden, ist kaum zu übersehen. Dass sie sich da nicht besonders gut aufgehoben gefühlt haben, sicher auch nicht: Wini ist über die Mauer einer geschlossenen Station getürmt, Rosa beklagt den Verlust ihrer Lebensqualität durch die langjährige Einnahme von Neuroleptika, an der für unsereinen angeblich kein Weg vorbeiführt, und ich sammle fleißig wie ein Bienchen, Geschichten und Meinungen, die die Kritik am "medizinischen Krankheitskonzept seelischer Störungen" aufwerten (z.B. die wichtigen Aufsätze von Dorothea Buck und Dan Fisher). Mein Name ist Karl-Heinz Pehe (Kalle), ich bin 51 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von 20, 18 und 11 Jahren. Der Jüngste wurde geboren, als sein Vater, also ich, in der Klapsmühle war. Von Beruf bin ich Lehrer für Biologie und Physik an einem Krefelder Gymnasium, an dem ich nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus und insgesamt 10monatiger Unterbrechung meiner beruflichen Tätigkeit einen neuen Anfang versucht und geschafft habe. (Mein Dank allen, die mir dabei geholfen haben!) In meinem Aufsatz "Acht Jahre lernen,..." findest du den Anlaß für meine Zwangseinweisung und im Zeitraffer meinen Weg heraus aus dem Schlamassel beschrieben. Dass ich dabei erfolgreich war, meinen Beruf heute wieder ohne Einschränkung und meist mit Freude ausüben kann und in einer attraktiven kleinen Familie lebe, in der ich seinerzeit alles durcheinandergebracht habe, hat mich selbstbewußt werden lassen. Die in Fachkreisen oft vertretene Auffassung, seelische Störungen entstehen durch eine erblich bedingte Entgleisung des Neuronenstoffwechsels und seien nur chemisch zu beherrschen, ist für mich schon lange nicht mehr der Weisheit letzter Schluß: Wenn sich sowas durch einen (zugegeben schwierigen) Lernprozeß auflösen läßt, so kann man nicht pauschal von erblichen Erkrankungen sprechen. Als Biologielehrer weiß ich sehr genau, wovon ich rede. Vieles spricht dafür, dass die erfahrungsbedingte Einschätzung von Dorothea Buck auch wissenschaftlich stichhaltiger ist: In einer Psychose vollzieht sich ein Umbruch in einer Persönlichkeit, aus dem ein Mensch durchaus mit Gewinn und gereift hervorgehen kann. Statt Psychosen und andere kritische seelische Zustände um jeden Preis zu verhindern, meist durch Dauermedikation mit hochpotenten Neuroleptika, muß es darum gehen, den schwierigen Auf- und Umbruch zu einem positiven Ende zu führen. Ent-wicklung als Antwort auf Ver-wicklungen, Stärkung der Selbstbestimmung und -verantwortung eines Menschen, statt Anpassungszwang an eine Normalität, mit der sich nicht jeder Mensch arrangieren kann, auch wenn er es vielleicht ernsthaft will und versucht (hat). Als Lehrer, der täglich in der Öffentlichkeit steht, mußte ich mir gut überlegen, ob ich offen mit meiner Psychiatrie-Geschichte umgehe. Heute kann ich sagen, dass sich das für mich als richtig erwiesen hat. Die für mich erfreuliche Situation an meiner Schule kannst du vielleicht ein bisschen nachvollziehen, wenn du meinen Aufsatz "Irren ist menschlich" (Antistigma-Arbeit) liest, den ich an meine Schüler verteile, wenn das Thema aufkommt. Selbstverständlich will ich kein "Berufsbetroffener" werden oder mich als Mensch auf diese besondere Erfahrung festlegen lassen. Wenn du die kleine Insel von König Kalle erforschst, wirst du erkennen, dass es darum geht, existenzielle Fragen meines Menschseins für mich zu klären. So ist die kleine "Kalle-Welt" aus der Asche neu entstanden, in der ich Namen und Themen anspreche, die in meinem Prozeß der Selbstfindung wichtig geworden sind. Dass für andere Menschen andere Dinge, Themen, Menschen wichtig sein können, ist heute kein Problem mehr für mich. Im Gegenteil: Thoreau`s Motto "Jeder Mensch ein(e) König(in)" ermuntert dazu, dass Menschen sich authentisch und souverän in dieser schwierigen Welt auf ihre eigene Weise behaupten, so wie es "König Kalle" für´s erste gelungen ist. Mein/unser Wunsch wäre, dass dein Bild vom "Psycho" nach eingehender Erforschung unserer Welten bereichert ist um die Namen von Rosa, Wini und Kalle. Ängste aufzulösen, Begegnungen möglich zu machen mit Menschen, die oft am Rand stehen müssen, weil man von ihnen "das Schlimmste befürchten muß", das wäre ein Anliegen, bei der unsere Website gerne ein bisschen mithelfen möchte. Dass wir dabei auch kritische Töne anschlagen und nicht mit jedem kuscheln möchten/können, ist nicht ver-rückt, sondern total normal, und du wirst das aushalten. Einen anregenden Urlaub auf Kalle-Eiland, in Wini´s Welt und bei unserer Mondkönigin Rosa wünscht euch
Kalle Pehe Krefeld, den 24.April, 2002 |
|
Hallo lieber Gast, Ich bin jetzt 55 Jahre alt, und hatte über 20 Jahre mit der Psychiatrie zu tun. Ca. 30 Jahre war ich Angestellte in Industrie und Verwaltung. Seit einigen Jahren male/zeichne ich Bilder - ich sage immer: Ich mache Bilder und gelegentlich Ausstellungen. Nach 18 Jahren Singledasein und Alleinleben (ein paar Jahre unterbrochen vom Leben in einer betreuten Wohngemeinschaft) unternehme ich seit 5 Jahren mit meinem jetztigen Lebenspartner sehr viel. Mein Leben ist zur Zeit intensiv, spannend und abwechslungsreich, und ich mag es. Während meiner ersten Selbstfindungsphase, die Ärzte nannten es Psychose" wurde ich mit Medikamenten, die Neuroleptika genannt werden, dreieinhalb Jahre lang behandelt. Ich habe unter diesen Drogen sehr gelitten, standen sie doch jeglicher Psychotherapie und meiner Rückkehr ins Leben im Weg, da ich durch diese Pharmaka innerlich "eingemauert" war und kaum noch reden konnte. Dabei bin ich sozial immer mehr eingebrochen, bis zur Aufgabe meiner Wohnung, meiner Selbständigkeit, zum Leben in einer betreuten Wohngemeinschaft. Erst durch das Absetzen der Medikamente war eine Psychotherapie möglich, mit deren Hilfe ich langsam wieder in meinem Dasein Fuß fassen konnte. Wenn ich Medikamente (die ich absolut nicht vertrug) ablehnte, wurde ich oft als behandlungsuneinsichtig" und renitent" eingestuft. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und Beobachtungen erachte ich die Sichtweise der genetischen Verursachung von psychischen "Krankheiten" und das sogenannteVulnerabilität"-Modell für falsch. Da ich weiß, daß ich leider kein Einzelfall bin, ist mir diese Homepage wichtig, um aus der Sicht meiner Erlebnisse anderen Betroffenen zu berichten und um Betroffene zu ermutigen, ihre Wünsche und Lebensträume nicht aufgrund einer psychiatrischen Diagnose aufzugeben. Ich selbst hatte das Glück, von einer nichtärztlichen Psychotherapeutin einige Jahre lang begleitet zu werden, einen Platz zu haben, wo ich mir mein Leben genau ansehen konnte, dies ohne Druck Medikamente zu nehmen. Weiter hatte ich den Vorteil, daß während einiger Klinikaufenthalte in dieser Zeit auch dort - bis auf eine geringfügige Bedarfsmedikation mit einem niederpotenten Neuroleptikum, die ich sehr selten (weniger als 5 x in den ganzen Jahren) in Anspruch genommen habe - auf die übliche Medikation verzichtet wurde. Der behandelnde Stationsarzt und das Pflegepersonal gaben mir die Möglichkeit, im Rahmen des Stationsbereichs meine Selbstwahrnehmung zu verbessern und so meine ambulante Therapie zu ergänzen. Rosa
|
|
Wer bin ich? Ich bin ein Mensch. Heute etwas über 50 Jahre alt. Verheiratet (seit über 30 Jahren). Zwei erwachsene Kinder (Mädchen und Junge). Ein Enkeljunge. Abgeschlossene 10-jährige Schulbildung. Abgeschlossene Lehrausbildung (Elektromonteur), während dieser Zeit erster und zweiter Kontakt mit einer psychiatrischen Institution wegen einer psychischen bzw. seelischen Krise. Medizinische Behandlung, also gewaltsamer Abbruch des Entwicklungsprozesses. Abgeschlossenes Hochschulstudium (Fachlehrer für Physik und Mathematik). Arbeit als Lehrer in der Ausbildungsrichtung (12 Jahre). Neuauflage meiner Krise nach 19 Jahren Pause (oder wieder Aufflammen der fast erloschenen Glut). Im Alter von 40 Jahren frühberentet. Letztmalige Krise 1991 (vorläufig letztmalig? - ich weiß es nicht). Jetzt arbeite ich noch ein wenig im Rahmen der Hinzuverdienstgrenze, besuche diverse Selbsthilfegruppen und laß den lieben Gott einen frommen Mann sein. Mehr dazu nicht. Getreu dem Motto: Nichts ist so schlimm, als daß es nicht noch schlimmer kommen könnte" lebe ich als Mensch unter Menschen.
Wini |