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Hallo lieber Gast, Ich bin jetzt 55 Jahre alt, und seit meinem 25. Lebensjahr mit der Psychiatrie zu tun. Ca. 30 Jahre war ich Angestellte in Industrie und Verwaltung. Seit einigen Jahren male/zeichne ich Bilder - ich sage immer: Ich mache Bilder und gelegentlich Ausstellungen. Nach 18 Jahren Singledasein und Alleinleben (ein paar Jahre unterbrochen vom Leben in einer betreuten Wohngemeinschaft) unternehme ich seit 5 Jahren mit meinem jetztigen Lebenspartner sehr viel. Mein Leben ist zur Zeit intensiv, spannend und abwechslungsreich, und ich mag es. Während meiner ersten Selbstfindungsphase, die Ärzte nannten es Psychose" wurde ich mit Medikamenten, die Neuroleptika genannt werden, dreieinhalb Jahre lang behandelt. Ich habe unter diesen Drogen sehr gelitten, standen sie doch jeglicher Psychotherapie und meiner Rückkehr ins Leben im Weg, da ich durch diese Pharmaka innerlich "eingemauert" war und kaum noch reden konnte. Dabei bin ich sozial immer mehr eingebrochen, bis zur Aufgabe meiner Wohnung, meiner Selbständigkeit, zum Leben in einer betreuten Wohngemeinschaft. Erst durch das Absetzen der Medikamente war eine Psychotherapie möglich, mit deren Hilfe ich langsam wieder in meinem Dasein Fuß fassen konnte. Wenn ich Medikamente (die ich absolut nicht vertrug) ablehnte, wurde ich oft als behandlungsuneinsichtig" und renitent" eingestuft. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und Beobachtungen erachte ich die Sichtweise der genetischen Verursachung von psychischen "Krankheiten" und das sogenannteVulnerabilität"-Modell für falsch. Da ich weiß, daß ich leider kein Einzelfall bin, ist mir diese Homepage wichtig, um aus der Sicht meiner Erlebnisse anderen Betroffenen zu berichten und um Betroffene zu ermutigen, ihre Wünsche und Lebensträume nicht aufgrund einer psychiatrischen Diagnose aufzugeben. Ich selbst hatte das Glück, von einer nichtärztlichen Psychotherapeutin einige Jahre lang begleitet zu werden, einen Platz zu haben, wo ich mir mein Leben genau ansehen konnte, dies ohne Druck Medikamente zu nehmen. Weiter hatte ich den Vorteil, daß während einiger Klinikaufenthalte in dieser Zeit auch dort - bis auf eine geringfügige Bedarfsmedikation mit einem niederpotenten Neuroleptikum, die ich sehr selten (weniger als 5 x in den ganzen Jahren) in Anspruch genommen habe - auf die übliche Medikation verzichtet wurde. Der behandelnde Stationsarzt und das Pflegepersonal gaben mir die Möglichkeit, im Rahmen des Stationsbereichs meine Selbstwahrnehmung zu verbessern und so meine ambulante Therapie zu ergänzen. Rosa
21. Juni 2006 |