Utopie

Wenn ich mir Veränderungen in der Psychiatrie vorstelle, dann wäre es,

  • dass jeder Mensch, der diese wegen einer Lebenskrise in Anspruch nimmt, korrekt über die Wirkungen, Nebenwirkungen und derzeit bekannten Risiken korrekt informiert würde (was bisher sehr, sehr selten geschieht),
  • dass - vor allem in den ärztlichen Praxen - die notwendigen Laborkontrollen zur Blutbildüberwachung bei der Gabe der Medikamente regelmäßig ausgeführt werden (wird oft gefährlich verabsäumt),
  • dass man den Menschen sagt, dass die Psychopharmaka nicht"heilen", sondern eher mehr oder weniger beruhigen, (i.d.R. kriegt man diese als alleiniges "Heil"mittel angepriesen),
  • dass auf die Möglichkeit anderer Therapieformen, als die der Medikamenteneinnahme aufmerksam gemacht wird, und dass es mehr TherapeutInnen gibt, die sich von psychiatrischen Diagnosen nicht so beeindrucken lassen, wo eine Therapie ohne Medikamente möglich ist (eine verläßliche und Mut machende therapeutische Beziehung ist besser als chemische Dämpfung - das sei hier aus eigener Erfahrung gesagt),
  • dass gegen den eigenen Willen eines Menschen (ausser evtl. im übernächsten Punkt) niemand, gleich welcher Diagnose gegen seinen Willen zur Medikation gezwungen wird,
  • dass kein Mensch schon aufgrund irgendwelcher kritischer oder ärgerlicher Äusserungen in Kliniken mit Medikamenten sanktioniert wird (diese Art von Sanktionen sind leider nicht selten),
  • dass, wenn schon jemand wegen Fremdgefährdung (das gilt nur einen kleinen Teil der Betroffenen, das sei hier für den interessierten Laien erwähnt) in die "Geschlossene" eingewiesen wird und sich dort weiter handgreiflich verhält, man ihm/ihr wenigstens sagt, dass er/sie eine Spritze bekommt, weil er/sie körperliche Gewalt anwendet , ihn/sie nicht stattdessen fixieren kann, weil man nicht das notwendige Personal hat und dass man sich im Moment nicht anders dagegen zu erwehren weiß, daß man ihm/ihr sagt, daß wenn er/sie mit der Aggression aufhört, auch man mit der Medikamentensanktion/Fixierung aufhört und die Medikamente in diesem Zusammenhang nicht als Heilmittel "verkauft" werden,
  • dass man den zwangsweise untergebrachten Menschen nicht übelnimmt, wenn sie einer Gesprächstherapie unter den gegebenen Umständen ablehnend gegenüberstehen,
  • dass das Pflegepersonal besser ausgebildet wär, denn dessen Rolle wird oft unterschätzt und bestimmt ganz stark das Stationsklima,
  • dass endlich erkannt wird, dass es sich bei den psychiatrischen Diagnosen namens Depression, Manie, Schizophrenie, Neurose etc. eher um (oft schwere) Lebens-/Sinnkrisen der Betroffenen handelt, und nicht um biologisch oder genetisch verursachte Krankheiten.