| Ambivalenz beschränkte
Gesellschaft ohne Haftung Bedienungsanleitung Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erwerb unseres Alles-oder-Nichts-Entscheiders". Sie verfügen damit über ein Gerät der (ab)gehobenen Spitzenklasse, das von uns genau geplant, konstruiert und in unserer Fertigung aus einer erlesenen Papierqualität auf's Sorgfältigste produziert wurde. Es ist seit vielen Jahren im Einsatz und hat sich bestens bewährt. Viele Dankschreiben unserer Kundschaft bestätigen uns dies immer wieder. Bevor Sie den Alles-oder-Nichts-Entscheider" in Betrieb nehmen, lesen Sie bitte genau die nachfolgende Bedienungsanleitung.
1. Inbetriebnahme des Alles-oder-Nichts-Entscheiders": Grundsätzlich empfehlen wir beim Gebrauch eine behutsame und sachgemäße Handhabung, damit das empfindliche Außengehäuse nicht beschädigt wird. Das Gerät finden Sie aus versandtechnischen Gründen in einem rechteckigen Zustand vor. Dieses Rechteck ist sowohl auf der Vorder- wie Rückseite in jeweils zwei quadratische Elemente aufgeteilt. Bitte führen Sie nun den Daumen und den Zeigefinger der rechten wie der linken Hand unter diese quadratischen Teile, und pressen Sie im Bereich der rechten Hand den Daumen auf die Zeigefingerkuppe. Das gleiche machen Sie mit der linken Hand. Sie werden feststellen, daß sich das Gerät auf diese Weise automatisch in seiner einsatzfähigen Form ausbildet. Jetzt befindet sich der Alles-oder-Nichts-Entscheider" in Betriebsbereitschaft. Sie bleiben aber noch in der vorherigen Position (die Daumen auf die Zeigefingerkuppen gedrückt). Bitte halten Sie diese Spannung, und führen Sie Ihre Hände in Brusthöhe. So erhalten Sie einen genauen Überblick auf den Funktionsbereich. Sie werden sehen, daß (aus dieser Perspektive betrachtet) sich dieser aus vier Teilen zusammensetzt und ein Kreuz bildet. Dieses Kreuz besteht aus einer horizontalen und vertikalen Linie, wie Sie unschwer erkennen können. Diese beiden Linien bitten wir besonders zu beachten, da sie für Betrieb und Einsatz im therapeutischen Bereich äußerst wichtig sind. Jetzt ziehen Sie die Daumen von den Zeigefingern zurück. Es ergibt sich eine Öffnung entlang der horizontalen Linie, die entweder das Fach für Alles" (weiß gekennzeichnet) oder, je nach Gerätaufnahme, das Fach für Nichts" (schwarz gekennzeichnet) offenlegt. Um zum gegensätzlichen Fach zu gelangen, pressen Sie wieder die Daumen auf die Zeigefinger. Das Gerät schließt sich damit vollautomatisch. Halten Sie die Daumen auf den Zeigefingern, und führen Sie in dieser geschlossenen Fingerstellung beide Hände etwas nach außen, so daß sich eine leichte V-Stellung der Hände ergibt. Der Alles-oder-Nichts-Entscheider" gibt wieder eine Öffnung frei, jedoch längs der vertikalen Linie, und je nach Handhabung wird das Fach Alles" oder Nichts" angezeigt. Üben Sie sich im wechselhaften Öffnen und Schließen der Fächer, und Sie werden sehen, - es geht ganz leicht! - Sie werden bald ein Könner sein! 2. Einsatzbereich des Alles-oder-Nichts-Entscheiders": Das Gerät ist als Therapiehilfe geeignet, wenn man es mit ambivalenten und entscheidungsunfähigen Patienten zu tun hat, mit denen man nicht so recht weiterkommt. Der Einsatz kann zu einer stabilisierenden Wirkung beim Patienten führen, da ihn der Alles-oder-Nichts-Entscheider" bei richtigem Gebrauch entlastet, da das Gerät ihm nur eine geringe Entschlußbereitschaft abverlangt. Das Gerät entscheidet für ihn. In den meisten Fällen entspannt dies den Patienten und läßt ihn erst einmal zur Ruhe kommen. Das macht die Patientenführung für den Therapeuten leichter; in der Mehrzahl der Fälle werden die Patienten gelassener, pflegeleichter und lassen sich sowohl einfacher bei stationärem Aufenthalt handhaben, wie auch besser während ambulanter Behandlung dirigieren. 3. Gerätebedienung während des Settings: a) beim vollständig entscheidungsunfähigen Patienten: Der Geräteanwender - in der Regel der Therapeut - setzt sich dem Patienten gegenüber, nimmt den Alles-oder-Nichts-Entscheider" auf und bringt ihn (wie unter Punkt 1 erwähnt) in Betriebsbereitschaft. Nun fordert der Anwender den Patienten auf, mit dem Zeigefinger der rechten Hand (bei Linkshändern mit der linken) entlang der vertikalen Linie zu fahren. Der Anwender öffnet das entsprechende Fach längs der gezeigten Linie, und Anwender und Patient können gemeinsam feststellen, ob im Bereich der Öffnung der Begriff Alles" oder der Begriff Nichts" auftaucht. Der Anwender interpretiert dem Patienten die vom Gerät getroffene Entscheidung.
Beispiel: Bei dem Begriff Nichts" verordnet der Anwender dem Patienten strikte Ruhigstellung bis zur Bewußtlosigkeit, bzw. bei dem Begriff Alles" erlaubt er dem Patienten endlich in die Gänge" zu kommen und z. B. am morgendlichen Waldlauf teilzunehmen. Der Interpretationsmöglichkeiten für die Begriffe Alles" oder Nichts" sind keine Grenzen gesetzt; sie sind an das Allgemeinwissen des Anwenders gebunden. b) beim teilweise entscheidungsfähigen Patienten: Hier erlaubt das Gerät eine Mitentscheidung des Patienten. Der Anwender setzt sich wiederum dem Patienten gegenüber. Er fordert den Patienten auf, mit dem Zeigefinger der rechten Hand (bei Linkshändern mit der linken) entlang der vertikalen oder horizontalen Linie zu fahren. Das Ergebnis wird so vom Patienten mitbestimmt. Bei der Vermittlung der daraus resultierenden Maßnahmen verfährt der Anwender wie unter Punkt 2 a beschrieben. Bei einem etwaigen Protest des Patienten gegen die verordneten Maßnahmen raten wir dazu, ihn auf seine eigene Entscheidung, entweder auf die horizontale oder vertikale Linie mit dem Finger gezeigt zu haben, hinzuweisen mit den Worten: Das haben Sie sich doch selbst genau so ausgesucht!" Das Verantwortungsgefühl des Patienten für sich selbst kann auf diese Weise effektiv gesteigert werden. c) Patienten, die für den Einsatz des Alles-oder-Nichts-Entscheiders" nicht geeignet sind: Patienten, die darauf bestehen, mit dem Zeigefinger weder die horizontale noch die vertikale Linie entlang fahren zu wollen, sondern nur zu einer diagonalen Zeigefingerführung fähig sind, können den Vorteil des Alles-oder-Nichts-Entscheiders" noch nicht nutzen. Wir, die Mitarbeiter der Ambivalenz arbeiten in Zusammenarbeit mit einem originaljapanischen Origamidesigner fieberhaft an der Entwicklung eines entsprechenden Gerätes für diesen speziellen Personenkreis. Leider sind aus diesem Grund bei diesen Patienten immer noch andere, konventionelle Therapieverfahren zu bevorzugen und einzuleiten. Zum Schluß ist noch darauf hinzuweisen, daß sich mit dem Alles-oder-Nichts-Entscheider" Grautöne erzeugen lassen, indem das Gerät so zügig betrieben wird, daß sich bei schnellem wechselseitigem Öffnen und Schließen der beiden Fächer durch optische Täuschung des Auges entsprechende Grautöne zeigen. Dieses ist durch eine hohe Betriebsgeschwindigkeit des Anwenders und nur durch entsprechendes Üben zu erreichen. Für Patienten, die im Verlauf der Therapie mit unserem Alles-oder-Nichts-Entscheider" Fortschritte zeigen, kann diese zusätzliche Funktion von großem therapeutischen Nutzen sein. Zum Schluß wünschen wir Ihnen mit dem Gerät viel Freude und gute Therapieerfolge. Ihre Ambivalenz Lilo Weißnichtwas (Leiterin der Endkontrolle)
Copyright Rosa Pillenknick, 1996 (Auf die heute übliche Schreibweise der sog. weiblichen Form wurde aus ästhetischen Gründen bewußt verzichtet. Bitte regen Sie sich darüber auf.)
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