"A Beautiful Mind "

- live mit Kalle Pehe

Jetzt habe ich mir den Film also auch selbst angesehen. Der Regisseur Ron Howard nimmt uns mit in die Welt von John Nash, von der man als Zuschauer zunächst nicht weiß, was an ihr real und was imaginiert ist. Als sich ein regelrechter Spionagethriller daraus entwickelt, fragt man sich zunächst, ob man in einem "Kitschfilm" gelandet ist. Denn soviel anders als im typischen "action-Kino" sind die gezeigten Auto-Verfolgungsjagden auch nicht. Lediglich die Angst und die Not des John Nash leiten über in die Einsicht, dass man einem gelebten Albtraum zuschaut (wie in den täglichen Fernsehnachrichten aus Israel und Palästina), und John kann einem echt leid tun.Und da haben wir sie dann die Psychose, den Albtraum, aus dem es zunächst kein Erwachen gibt. In "Don Juan de Marco" mit Johnny Depp und Marlon Brando kann man die "Paradiesversion" eines solchen Traumes gesehen. Als Ergänzung zu "A Beautiful Mind" wärmstens zu empfehlen.Die Probleme mit der Wirklichkeit sind vorprogrammiert. Beide Filme enden aber mit einer überraschenden Lösung. Die psychotischen Welten verlieren langsam ihren Schrecken, und mit dem Zurechtfinden in diesen Welten, die mit der Zeit auch irgendwie vertraut werden, wachsen auch die Fähigkeiten, in der Normalität wieder klar zu kommen. Kompromisse sind wieder möglich, in denen die Ängste der Menschen, denen das alles fremd und bedrohlich vorkommen muß, respektiert werden.

Die Hauptbotschaft des Films, natürlich "amerikanisch" in Szene gesetzt:

Liebe ist stärker als alle Mathematik.

Sie allein vermittelt John die Sicherheit/Geborgenheit, die er in der Mathematik (und anderswo) vergeblich sucht und bildet letztlich den tragenden Grund, auf dem er sich entwickeln und gesunden kann. Ent-wicklung aus Ver-wicklungen. Der Nobelpreis: Ein Symbol dafür, dass ein Außenseiter sich wieder einen Platz in der Welt erkämpfen kann. Dass das eher die Ausnahme ist, muß wohl nicht extra betont werden. Entscheidend, dass es Menschen gibt, die an ihn glauben und ihn unterstützen. Unterstützen auch dadurch, dass sie stark genug sind, sich nicht in den Strudel einr psychotischen Welt hineinziehen zu lassen, sich abgrenzen können, ohne auszugrenzen.

Noch ein wichtiger Aspekt: Politisch ist der junge John Nash eher naiv, er denkt in den Schemata des kalten Krieges (hier die "Guten", da die "Bösen",1954), was wesentlich seine psychotische Weltkonstruktuion bestimmt, ergänzt durch eine totale Überschätzung seiner persönlichen Rolle in der Welt. In Hollywood-Filmen werden solche politischen Aspekte traditionell nicht problematisiert. Da opfern sich alle immer brav für "ihr Land", wie es sich gehört. Na, ja.

Ich finde einiges wieder, was auch bei meinem psychotischen Himmelsritt abgelaufen ist. Auch ich wollte schließlich die Welt retten. Wenn es um solche "Konstruktionen von Wirklichkeit und Selbst" geht, in der man mit den "Kasperle-Schablonen" von gut und böse operiert, so frage ich mich aber auch: Wo beginnt eigentlich die Psychose? Wer oder was erzeugt das? Was machen Politiker (z.B.) in Wahlkämpfen anderes, als mit solchen Schablonen zu rappeln? Sind d i e sich eigentlich immer im Klaren darüber, was sie erfinden und was Wirklichkeit ist?

Ein realistisches Weltbild gewinnen? Keine leichte Übung und verdammt ernüchternd. Fernsehwirklichkeit. Wenn zu Illusionen über die Welt Verwerfungen im Selbstbild eines Menschen hinzukommen, ist die Konstellation da, in der es zum "Ausbruch" einer Psychose kommen kann. Genetisch bedingt? Zu einfach für mich.

Die Frage, ob Neuroleptika mehr helfen oder schaden, kann so ein Film nicht beantworten. Und auch ich habe nicht vor, mich hier zu einer verallgemeinernden Antwort zu versteigen. Bei John Nash spielten sie sicher eine geringere Rolle. Bei ihm war der Wille entscheidend, die ihm gestellte Aufgabe mit den Mitteln des eigenen Geistes zu lösen, und das hieß bei ihm, sich abwenden von den als üblich angesehenen therapeutischen Verfahren einschließlich der Neuroleptika. Der Film behandelt das eher am Rande.

Auch bei mir war es eher so, dass ich trotz Behandlung eine Lösung gefunden habe. Gelernt habe ich in der Klinik vor allem, wie es nicht geht, und was mir schadet. Was mir gut tut, das mußte ich weitgehend alleine herausfinden, lange entmutigt durch Fachleute, die mir zu verstehen gaben, dass sie mir selbst wenig bis nichts zutrauten, was die Lösung meiner Probleme angeht. Ich sollte mich der Chemie und ihnen anvertrauen, hab mich aus dem Staub gemacht, sobald ich stark genug war, mich selbst der schwierigen Aufgabe zu stellen, die vor mir lag. Und ich muß jetzt nicht gleich wieder erklären, dass das auch schief gehen kann.

Es ist anders gekommen bei mir. An Anerkennung und Respekt fehlt es nicht. Nobelpreis muß bei mir nicht sein.

Menschen aus meiner Selbsthilfegruppe haben den Film insgesamt als Ermutigung erlebt. Nachdenklichkeit prägte die Stimmung. Ich denke, wir konnten aus dem Film viel Gutes mit nach Hause nehmen.

"Normalos" könnten darüber nachdenken, ob´s nicht auch für sie was zu lernen gibt aus solchen Lebensgeschichten, und auch bei ihnen kommt der Film gut an. Es muß ja nicht jeder erst eine "Psychose" kriegen, um zu erkennen, dass er in einer Welt voller Illusionen lebt, die schon morgen zusammenstürzen kann. Der Film hat ihnen den "Schizophrenen" vielleicht ein bisschen näher gebracht, ihn als Menschen gezeigt.

- Kalle -