Zitate aus dem Buch "Lichtjahre" von Thomas Bock
Schriftsteller äußern sich über Psychosen

Jan Salstar (Pseudonym)

Thomas Bock hat am Anfang seines Buches im Teil "Aspekte der Geschichte von Psychiatrie und Psychotherapie" eine interessante Aufzählung von dem Psychoseverständnis verschiedener Gesellschaften und Personen gemacht.


Einige aus meiner Sicht interessante Zitate habe ich stichprobenartig entnommen und hier aufgelistet. Es wird gezeigt, dass die Psychose offenbar nicht gleich eine schwere psychische Erkrankung ist, sondern eher ein veränderter Bewusstseinszustand. Die biologischen Ursachen werden als zweitrangig hingestellt.

 

1. Freud sieht in der Psychose eine Schwächung der "Kritischen Zensur", verbunden mit einer Verstärkung der "unbewussten Erregungen".

 

2. Jung schrieb: "Diese unbewussten Mächte und Inhalte existieren ebenso im Unbewussten
normaler Menschen, die aber das Glück haben, nichts davon zu ahnen..."
´Jung geht davon aus, dass bei schizophrenen Menschen weniger das Bewusstsein besonders schwach, als vielmehr das Unbewusste besonders stark entwickelt ist.

 

3. H.S. Sullivan begreift die Schizophrenie als einen "Versuch, durch Regression auf frühere
Denkprozesse, auf infantile oder sogar pränatale geistige Funktionsweisen komplexere
Lebenserfahrungen erfolgreich zu integrieren, die bisher nicht in einer funktionellen
Einheit strukturiert waren."

 

4. Kafka schrieb über das psychotische Erleben: "Wir vertrauen darauf, dass wir aus unseren Träumen und von unseren ´Fantasieflügen´ auf den festen Boden unserer gemeinsamen Alltagsrealität zurückfinden.. Psychotische Patienten machen uns auf die Mechanismen aufmerksam, mit denen Wirklichkeiten konstruiert und geprüft werden und die zu einer Stärkung oder Schwächung von Sinn und Wirklichkeitsgefühl führen."

 

5. Zubin geht davon aus, dass schizophrene Menschen nach Belastungen zu Informationsverarbeitungs- Störungen neigen, die stufenweise zu einem psychologischen, teilweise auch biologischen Zusammenbruch führen können. Hier wird davon ausgegangen, dass die Psychose vor allem auch durch Überlastung und eine fehlende Dekompensation ausgelöst oder verstärkt werden kann.

 

6. Für Perry ist die psychotische Episode ein "Verfahren der Natur, das Selbst durch einen
Auflösungsprozess - möglicher Weise nur vorrübergehend - umzustrukturieren. Beim Einsetzen der Psychose verlässt die Energie die höheren (oberflächlichen) Ebenen der Psyche und konzentriert sich in größtmöglicher Intensität auf die innersten Ebenen, wo die Affektbilder mythischer Art aktiviert werden, was dazu führen kann, dass das Selbstbild sich erneuert, wenn dieser Prozess durchlebt werden darf."

 

7. Von Weizsäcker abstrahiert die Psychose als einen "veränderten Wachbewusstseinszustand, je individuell ausgelöst und subjektiv ausgestaltet, ein veränderter psychophysischer Gesamtzustand also, der ganz spezifischen biologischen, physiologischen und psychologischen Gesetzesmäßigkeiten folgt - ein lebendiger Prozess"

 

8. In vielen nicht westlichen Gesellschaften wird nicht so klar unterschieden zwischen
Halluzinationen, Träumen, Tagträumen und anderen Wahrnehmungen.  Die Erlebnisse werden erklärt mit dem Kontakt des Individuums mit etwas Geistigem oder einem Geist.